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60 Jahre Bauernverband: Deutschland braucht seine Landwirtschaft
01.07.2008: Die Arbeit der Bauern ist wichtig: damit unsere Nahrungsmittelversorgung
unabhängig bleibt und die Energieerzeugung vielseitiger wird. Biomasseproduktion
habe das Zeug,
Die Arbeit der Bauern ist wichtig: damit unsere Nahrungsmittelversorgung unabhängig bleibt und die Energieerzeugung vielseitiger wird. Biomasseproduktion habe das Zeug, zu einem weiteren starken Standbein der Landwirtschaft zu werden, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Deutschen Bauerntag in Berlin.
"Wir brauchen Sie", rief die Bundeskanzlerin den Delegierten des Bauertags zu. Dies gelte für kleine Familienbetriebe ebenso wie für Großbetriebe, wie sie vor allem in Ostdeutschland zu finden sind. Auf europäischer Ebene werde sich die Bundesregierung dafür stark machen, bessere Bedingungen für alle landwirtschaftlichen Strukturen zu schaffen, versprach die Kanzlerin. Besonders von überbordender Bürokratie sollen die Bauern befreit werden. Beim so genannten Gesundheits-Check für die EU-Landwirtschaftspolitik, der derzeit ansteht, will Merkel auf Verlässlichkeit und Planungssicherheit drängen. Die vor fünf Jahren beschlossene Reformen der gemeinsamen Agrarpolitik sollten jedenfalls nicht wieder aufgeschnürt werden. Lediglich da, wo es erforderlich ist, werde nachjustiert.
Steuersenkung nein, Hilfe für die Milchbauern
Einer kurzfristigen steuerlichen Entlastung, wie sie die Landwirte für ihren Agrardiesel fordern, erteilte Merkel indes eine Absage. Eine solche würde ohnehin mit der nächsten Preiserhöhung verpuffen. Stattdessen will die Kanzlerin an den Ursachen für die Preisentwicklung ansetzen. Es gehe darum, die Nachfrage und die Förderung von Erdöl und Erdgas "in eine vernünftige Balance zu setzen", wie sie sagte. Dafür will sie sich gemeinsam mit den führenden Industriestaaten beim G8-Gipfel kommende Woche in Japan einsetzen. Den Milchbauern sagte Merkel wie auch Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer Unterstützung im Kampf um EU-Finanzhilfen zu. Das Auslaufen der so genannten Milchquote bedeute eine Herausforderung für viele Milchbauern. Die Bauern forderte Merkel auf, ihr Gewicht als Produzenten konsequenter auszuspielen: besonders gegenüber den großen Handelsketten.
Wichtige Rolle im gesellschaftlichen Gefüge
Ein Bauer ernährt heute 140 Menschen, vor hundert Jahren waren es vier. Gleichwohl war die Berichterstattung über Landwirtschaft und Landwirtschaftspolitik lange Zeit von Negativ-Schlagzeilen geprägt. Heute genieße die Branche wieder hohes gesellschaftliches Ansehen, vermerkte die Bundeskanzlerin optimistisch. "Es wächst das Gefühl der Menschen, dass es gut ist, wenn sich ein Land selbst versorgen kann." Dabei seien die Landwirte mehr als nur Erzeuger: Sie trügen auch dazu bei, die ländlichen Räume zu entwickeln und lebenswert zu erhalten. Dort lebt rund die Hälfte der Menschen in Deutschland. Deshalb spielten die Landwirte "eine wesentliche Rolle im gesamtgesellschaftlichen Gefüge" des Landes, so die Kanzlerin.
Lokal handeln, global denken
Natürlich bekommen auch die landwirtschaftlichen Betriebe die Folgen der Globalisierung und der hohen Energiepreise zu spüren. Andererseits profitieren sie von der steigenden Nachfrage nach Nahrungsmitteln weltweit: seien es Milch, Fleisch oder Getreide. Und für die gibt es verschiedene Gründe: zunehmender Wohlstand in den bevölkerungsreichen Schwellenländern wie China und Indien gehört dazu. Ebenso echte Versorgungskrisen in den Entwicklungsländern. Dort habe die internationale Entwicklungspolitik zu lange nicht die Entwicklung einer selbständigen Landwirtschaft vernachlässigt, unterstrich die Kanzlerin vor den Bauern. Es sei an der Zeit, den armen Ländern Afrikas und Lateinamerikas endlich wirksame "Hilfen zur Selbsthilfe" zu geben.
Welthandel mit Standards
In den laufenden Verhandlungen zum Welthandel ("Doha-Runde") will Merkel mit den G8-Staaten auch ein Augenmerk auf ökologische und soziale Standards richten. Hier lägen die deutschen Landwirte im Vergleich mit anderen Branchen in Deutschland bereits vorn, lobte sie. "Fairer Wettbewerb und ein starkes Wettbewerbsrecht waren immer wichtige Erfolgsfaktoren der deutschen Wirtschaft", erinnerte die Kanzlerin. Jetzt gelte es, diesen Errungenschaften international zum Durchbruch zu verhelfen.
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01.07.2008 / Patrick Kröhl
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