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Kategorie Deutschland  

Böhmer fordert bessere Chancen für Migranten auf dem Arbeitsmarkt Appell an Arbeitgeber

02.07.2008: Angesichts der heute veröffentlichten OECD-Studie zur Entwicklung des deutschen Arbeitsmarktes hat die Staatsministerin und Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Maria Böhmer,

Angesichts der heute veröffentlichten OECD-Studie zur Entwicklung des deutschen
Arbeitsmarktes hat die Staatsministerin und Beauftragte der Bundesregierung für
Migration, Flüchtlinge und Integration, Maria Böhmer, bessere Chancen für
Migrantinnen und Migranten auf dem Arbeitsmarkt gefordert.


"Ich appelliere an die Arbeitgeber, Menschen aus Zuwandererfamilien bei der Suche
nach Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern stärker zu berücksichtigen", erklärte
Böhmer. "Damit tragen die Arbeitgeber nicht nur dazu bei, die Lebenschancen
dieser Menschen in unserem Land zu verbessern. Sie sichern sich vor allem auch
ökonomische Vorteile, denn in der globalisierten Wirtschaftswelt werden
Beschäftigte, die für das Bestehen im internationalen Wettbewerb notwendige soft
skills mitbringen etwa Kenntnisse mehrerer Sprachen und Kulturen -  immer
wichtiger für die Unternehmen."
 
Dies sei durch Studien belegt, sagte die Staatsministerin. So hätten Unternehmen,
die ein gezieltes Diversity Management betrieben und damit die Vorteile einer
kulturell vielfältigen Belegschaft aktiv nutzten, mehr Erfolg an der Börse.
Zugleich bemängelte Böhmer, dass in Deutschland noch zu wenige Unternehmen dieses
Ziel in ihrer Unternehmenskultur verankert hätten: "Während 92 Prozent der
US-amerikanischen und britischen und im europäischen Durchschnitt immerhin noch
75 Prozent der Unternehmen ein aktives Diversity Management betreiben, sind es in
Deutschland nur 44 Prozent. Wir haben also noch Nachholbedarf." Böhmer fügte
hinzu: "Aber wir holen auf. Bereits mehr als 300 Unternehmen und Einrichtungen in
Deutschland mit insgesamt mehr als 2,5 Millionen Beschäftigten haben die Charta
der Vielfalt unterzeichnet und sich damit verpflichtet, Diversity Management zu
einem selbstverständlichen Teil der Unternehmenskultur zu machen. Ich hoffe und
werbe sehr dafür, dass es noch viel mehr werden."
 
Böhmer verwies dazu auf die von ihr seit Sommer 2007 betriebene Kampagne
"Vielfalt als Chance": "Wir verbreiten damit in der Wirtschaft und in der breiten
Öffentlichkeit die Botschaft: Vielfalt lohnt sich und zwar sowohl für die
Unternehmen als auch für die Beschäftigten unterschiedlicher Herkunft. Sie lohnt
sich vor allem auch für unsere gesamte Volkswirtschaft und Gesellschaft. Denn
angesichts der demografischen Entwicklung müssen wir in Zukunft noch viel stärker
als bisher jedes Talent nutzen, das in unserem Land zur Verfügung steht. Die
Ressourcen der Migrantinnen und Migranten brach liegen zu lassen, können wir uns
nicht leisten. Daher ist es besonders wichtig, die Chancen für den Nachwuchs aus
Zuwandererfamilien in der Berufs- und akademischen Ausbildung zu verbessern."
 
Auch für den öffentlichen Sektor sei die Ausbildung, Einstellung und Förderung
von Migrantinnen und Migranten ein immer wichtigeres Thema. Böhmer: "Wir brauchen
in den Kindertagesstätten und Schulen mehr pädagogisches Personal, das aus seinem
persönlichen Hintergrund die Erfahrung mitbringt, wie man auf Kinder und
Jugendliche aus Zuwandererfamilien und ihre Eltern zugeht. Gleiches gilt für das
Gesundheitswesen und die Seniorenbetreuung: Auch hier sind Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter mit Migrationshintergrund immer mehr gefragt, denn gerade alte und
kranke Menschen erfordern eine hohe Sensibilität. Auch bei der Polizei, den
Feuerwehren und in den Ämtern der Städte und Gemeinden - überall dort, wo die
öffentlichen Verwaltung mit Menschen aus Zuwandererfamilien umgeht, brauchen wir
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Brücken bauen können."
 
Der OECD-Studie zufolge wird sich der Arbeitsmarkt in Deutschland insgesamt in
diesem Jahr positiv und im kommenden Jahr seitwärts entwickeln. Migrantinnen und
Migranten seien aber noch immer benachteiligt. Die Beschäftigungsquote bei jungen
Menschen mit Migrationshintergrund liege in Deutschland um etwa 15 Prozentpunkte
niedriger als in der vergleichbaren Gruppe ohne ausländische Wurzeln. Dies sei
nur knapp zur Hälfte durch Unterschiede im Bildungsniveau zu erklären. Ein
weiterer bedeutender Faktor sei die Diskriminierung am Arbeitsmarkt, vermuten die
Autoren der Studie. Es gebe weiterhin Benachteiligungen, obwohl die deutsche
Gesetzgebung gegen Diskriminierung zu den fortschrittlichsten im OECD-Bereich
gehöre. 


Presse- und Informationsamt der
Bundesregierung
E-Mail: InternetPost@bundesregierung.de
Internet: http://www.bundesregierung.de/
Dorotheenstr. 84
D-10117 Berlin
Telefon: 03018 272 - 0
Telefax: 03018 272 - 2555

02.07.2008 / Patrick Kröhl

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